Hilfe - mein Hund schreit!

28.05.2018

 

Immer wenn ein kleiner Welpe in eine neue Familie einzieht, sind die Vorsätze groß. Wir haben eine ungeheure Erwartung, was unsere Hunde alles können und mitmachen sollen. Er soll natürlich Sitz und Platz können, ordentlich an der Leine soll er gehen und sich im Restaurant ruhig verhalten. Wir wollen, dass er sich mit unseren Kindern versteht und auch die Nachbarskinder soll er mögen. All das soll er möglichst schnell können. Der Weg in die nächste Hundeschule ist gemacht und nun bitte soll der Welpe schnell lernen, was er darf und was nicht.

Gewaltlos und mit viel Liebe beginnen nun die Übungen. Super, bisher ist alles gut und richtig verlaufen.

Irgendwann kommt man aber bei jedem Hund an den Punkt, an dem er seine Bereitwilligkeit, alles mitzumachen, einstellt oder aber verlangsamt. Jetzt heißt es "am Ball bleiben". Leider bleiben hier aber die ersten Hunde-Mensch-Beziehungen auf der Strecke. Ein Hund, der es gelernt hat, im Wohnzimmer oder auch im eigenen Garten Kommandos wie Sitz-Platz-Bleib auszuführen, ist kein Genie. Es im täglichen Miteinander zu beherrschen, ist die hohe Kunst der Kommunikation und des Vertrauens zwischen Hund und Halter.

Hier kommen wir nun schnell an unsere Grenzen. Ein Beispiel, das mir seit langem immer wieder begegnet, ist da das Zusammenspiel zwischen Kindern und Hunden. Hunde, die mit Kindern zusammen leben, sollten neben den üblichen Kommandos auch das Zusammenleben erklärt bekommen. Hier steht für mich ganz vorn: "Zähne gegen Menschen sind verboten“ ... auch im Spiel!!!

Kinder lieben ihre Hunde und bringen das oft anders als Erwachsene rüber. Sie suchen häufig Trost oder Bestätigung bei ihrem vierbeinigen Freund. Erklärungen helfen da gerade bei Kindern unter zehn oft wenig. "Geh nicht mit dem Gesicht an den Hund"  - "du darfst ihn nicht einfach drücken" – "keine Zerrspiele mit ihm" -  "nicht einfach festhalten" ….

Kinder werden es aber machen, nicht um ihn zu ärgern, sondern weil sie ihn eben so liebhaben. Hier sind nun wir Erwachsenen gefragt. Wir können Kurse über Kurse besuchen, um unsere Kids darauf vorzubereiten, aber das Problem müssen WIR anpacken. Der Hund – der beste Freund des Menschen: Absolut gewaltfreie Erziehung oder Erziehung nur mit Liebe und positiver Bestätigung werden hier leider zu oft falsch interpretiert oder ausgelegt.

Ein Hund muss lernen, festgehalten zu werden. Warum? Weil Kinder dies eben machen. Wehrt sich dann der Hund, ist er es der abgestempelt wird als fieser Beißer!! Das aber muss nicht sein!

Zieht der kleine Welpe bei uns ein, ist er i.d.R vom Züchter schon daran gewöhnt festgehalten zu werden, um z.B. Augen und Ohren zu reinigen. Dies sollten wir täglich beibehalten und üben, üben, üben. Leider vernachlässigen die meisten neuen Hundebesitzer gerade dies sehr schnell. Der heranwachsende Hund windet sich aus den Händen oder schlimmer noch: er schreit, weil er diese Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit nicht möchte. Oder er setzt seine kleinen Milchzähne ein, um sich zu entziehen. Hier müssen wir aber durchhalten und dem Hund zeigen: "Hey es passiert dir nichts, aber ICH entscheide, wann du loslaufen darfst." Lernt dies der junge Hund nicht und kann sich immer wieder - womit auch immer - aus dieser Situation befreien, ist dieses „Festhalten“ für ihn ein Leben lang etwas Unheimliches und er wird sich immer versuchen, dem zu entziehen.

Der Hund - der beste Freund des Menschen - ja genau! Aber ist es nicht das, was eine gute Freundschaft ausmacht, dem anderen zu vertrauen auch wenn es anfänglich mal nicht gleich super läuft. Einem Hund etwas zu erklären, ist nicht möglich! Er muss es erfahren, um „seine“ positive Erfahrung dann zu speichern. Ist es nicht sein gutes Recht erstmal zu protestieren und gegebenenfalls zu schreien? Sind wir so schwach, dass wir darauf gleich abbrechen und ihn nicht in den Genuss kommen lassen, daraus eine positive Erfahrung zu machen? Was ist denn so schlimm am festhalten - im Grunde genommen gar nichts.

Festhaltetechniken werden in der Therapie häufig angewendet: Babys werden eng eingewickelt, um sie zu beruhigen. Kinder, die runter kommen sollen, werden oft ganz eng gehalten, damit sie entspannen können. Sie alle fragen nicht danach aber sie erleben, dass es ihnen gut tut - auch wenn sie sich vielleicht erstmal lauthals darüber beschweren. Sitz - Platz -Fuß sind wichtige und großartige Kommandos, aber wünschen würde ich mir von Züchtern und Hundeschulen, dass sie den Hunden zeigen: festhalten ist schön und nicht grausam!

 

Ein Hund, der dies beherrscht, wird ein glücklicheres und entspannteres Leben führen. Und unsere Kids, die Hunde in Situationen bringen vor den wir sicherlich gewarnt haben, können ihrem Hund so zeigen, dass sie sie unglaublich lieb haben - ohne dass es zu Unfällen kommt. 

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