Hundezucht - Züchter - Preise - Oh je!!

20.11.2018

Ich besitze seit nunmehr über 30 Jahren Hunde. Alle habe ich bei einem Züchter erworben und mir nie Gedanken über den Preis gemacht. Sicherlich habe ich immer verglichen und auch vorab geschaut, ob mir das was ich da kaufe „qualitativ“ auch gefällt. Der Preis allerdings war dabei für mich nicht ausschlaggebend. Ich bin immer davon ausgegangen, der Markt regelt den Preis. Also geregelt durch Angebot und Nachfrage.

 

Mein erster selbst käuflich erworbener Hund war eine Boxer Hündin von einem Züchter aus der Nähe von Bremen. Wir waren mehrere Male beim Züchter, um uns zu informieren, zu vergleichen und uns beraten zu lassen, um dann nach knapp 9 Wochen unseren Hund abzuholen. Der Preis war sicherlich höher als bei einem Hund aus dem Tierheim oder von einem Mischling aus der näheren Umgebung, welcher durch einen Unfall oder ein glückliches, nicht arrangiertes Zusammentreffen zweier Hunde zustande kam. Kein Mensch stellte damals diesen Preis in Frage.

 

Im Laufe der Jahre kamen noch weitere Hunde dazu: Boxer, Pudel, ein Bernhardiner und irgendwann der erste Goldendoodle. Alle diese Hunde kaufte ich bei einem Züchter. Ja, alle - auch den Goldendoodle. Es war für mich niemals ein „Mischling“, denn es war eine vom Züchter gezielte Verpaarung zweier Hunde und somit kein Unfall und auch kein zufälliges Treffen zweier Hunde.

 

Meine Züchter hatten sich bewusst für einen Typ Hund entschieden und wollten mit ihrer Arbeit dazu beitragen, Hunde dieser Art für andere Menschen zu beschaffen. Ich war mit allen meinen Hunden glücklich, mit der Aufzucht und Prägung nicht immer so wie ich es mir vorgestellt hätte, aber sie entsprachen grundsätzlich dem Bild, welches ich mir vorher von eben diesem Hund gemacht hatte.

 

"Viel zu kommerziell" wird mir nun der ein oder andere unterstellen. Aber warum? In den letzten Jahren floriert der Internethandel und so wird es sowohl für Anbieter als auch für den Konsumenten einfacher, an Dinge zu kommen, die er möchte. So eben auch bei Hundekäufen. Im Internet finden sich nun Rubriken mit allen möglichen Hunden, vom Züchter gewollt, zufällige glückliche Zusammentreffen oder Hunde aus dem Ausland oder aus dem Tierheim. Ist das jetzt gut oder schlecht? Ich möchte dies hier gar nicht bewerten, es ist einfach so. Viel mehr irritiert mich die Empörung über die Kosten für einen Welpen. Der geldgierige Züchter, der seinen Nachwuchs für horrende Summen verkauft, obwohl es doch viel günstiger geht. "Der will ja nur Profit machen." Ja und???

 

Geht es hier nun darum ein Schnäppchen zu machen oder etwas qualitativ Hochwertiges zu kaufen. Eine Zucht - auch wenn sie eine kleine „Hobbyzucht“ ist - bedeutet doch Arbeit für den oder diejenige, die sich gut 9 Wochen um unser zukünftiges Familienmitglied kümmert. Jede Zucht bedeutet erstmal eine ungewisse Investition in Kosten für den Deckrüden, Zuchtutensilien, Tierarzt, Welpen Nahrung und Platz für eine entspannte erste Zeit.

 

Die Ansprüche an unseren vierbeinigen Hausgenossen steigen stetig und somit muss er auch gut auf ein Leben an unserer Seite vorbereitet sein. Machen wir doch einmal eine einfache Rechnung: Der Welpe lebt ca. 9 Wochen beim Züchter, d.h. 63 Tage à 24 Stunden. Bei einem Preis von 1.500,-€ steckt sich der gemeine Züchter jede Stunde 0,99 € in die Tasche. Unglaublich, oder?

 

Wir können aber noch weiter rechnen. Für die oben bereits erwähnten Kosten wie Deckgebühren, Raumkosten, Strom, Futter und Tierarzt kommen pauschal nochmal ca. 1000,- € auf den Züchter zu, wenn es keine zusätzlichen Komplikationen gibt. Das wären ebenfalls durch die Stunden geteilt nochmal 0,66 €, die von seinen eingesteckten 0,99 € die Stunde abgehen. Da bleiben ihm doch glatte 0,33 € pro Stunde. Gut, hier wird natürlich berechtigt eingeworfen, die Kosten teilen sich ja auf alle Welpen auf. Richtig! Lassen wir das persönliche Risiko des Züchters einmal links liegen und teilen es auf 10 Welpen auf. So wären es 0,06 €, die von den 0,99 € abgezogen werden müssen. Jetzt kommt sicherlich der Einwand: "Aber der Züchter ist ja nicht 24 Stunden bei seinen Welpen." Hier kann ich nur sagen, ein guter Züchter sorgt sich 24 Stunden um seine Welpen und wenn wir sogar nur die Hälfte der Stunden berechnen, die eine Züchter am Tag für um und bei seinen Welpen ist (damit die zukünftigen Besitzer hoffentlich über 10 Jahre Freude an ihrem Hund haben), liegt er immer noch unter 2,-€. Dafür arbeitet so gut wie niemand mehr!

 

Kosten für eine spätere Tierpension während des Urlaubs oder bedingt durch Arbeit oder irgendeiner anderen Abwesenheit des Hundehalters liegen im Schnitt zwischen 25,- und 30,- pro Tag. Die Kosten tragen wir gern, aber für einen Welpen sind sie uns zu hoch? Ich finde, hier läuft was im Ansatz schief. 

 

Welpen Käufer sollten schauen, vergleichen und bewusst entscheiden, um eventuelle später zusätzliche Kosten für schlechte Sozialisation und versäumte Überprüfung durch den Tierarzt in den ersten Wochen sowie mangelhafte Ernährung und fehlende Hygiene zu vermeiden.

 

Wir kaufen hier einen Begleiter für voraussichtlich 10 Jahre oder länger und da darf man schon einmal das Angebot vergleichen und seine Möglichkeiten prüfen. Sicherlich sollte man den Welpen Kauf nicht mit einem Autokauf vergleichen, aber den Züchter auch nicht mit Mutter Theresa.

 

 

 

 

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