Rassekategorie: Partner / Geschwister / Bürohund

11.11.2018

 

Seit vielen Jahrhunderten begleiten Hunde unser Leben. Wurden sie anfänglich auch nur neben uns geduldet, so machte man sich im Laufe der Zeit ihre Gaben zu Nutze: Der Hund half uns in Situationen, in denen wir schnell an unsere Grenzen kamen. Hunde können einfach besser hören, somit warnte er uns vor unangenehmen Situationen deutlich eher als wir sie wahr genommen hätten. Der Hund kann deutlich besser riechen, so zeigte er uns, wo sich Wild befand. Später nutzten wir diese Gabe, um Menschen aufzuspüren oder Substanzen zu erschnüffeln.

Der Mensch suchte sich für all seine Bedürfnisse Hunde mit passenden Eigenschaften. Er verfeinerte sie durch gezielte Verpaarung und züchtete mit immer besserem Ergebnis Hunde, die er für seinen Bedarf benötigte.

 

Großartige Hunde mit herausragenden Eigenschaften waren das Ergebnis der Züchtung, und es entstanden immer mehr Rassen.

Die Fédération Cynologie Internationale, der größte internationale Dachverband mit 94 Mitgliedsländern, hat hierzu Hunderassen in Gruppen aufgeteilt. Anerkannte Hunderassen werden in FCI-Gruppen unterteilt. Der nationale Hundeverband in Deutschland ist der VDH.

 

Gruppen sind:

FCI-Gruppe 1 =   Hütehunde & Treibhunde

FCI-Gruppe 2 =  Pinscher & Schnauzer Molossoide

                              Schweizer Sennenhunde

FCI-Gruppe 3 =  Terrier

FCI-Gruppe 4 =  Dachshunde

FCI-Gruppe 5 =  Spitze und Hunde vom Urtyp

FCI-Gruppe 6 =  Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen

FCI-Gruppe 7 =  Vorstehhunde

FCI-Gruppe 8 =  Apportierhunde – Stöberhunde – Wasserhunde

FCI-Gruppe 9 =  Gesellschaft und Begleithunde

FCI-Gruppe10=  Windhunde

 

Im Laufe des letzten Jahrhunderts, wurde hier alles gelistet, was an Hunderassen entwickelt und gezüchtet wurde. Wir haben also ca. 350 gelistete Hunderassen.

 

Unglaublich hier nicht den passenden Hund zu finden, oder?

 

Jede Hunderasse ist hier mit all ihren Eigenschaften gelistet. Vom Hund mit extra kurzen Beinen, um in den Dachsbau vorzudringen, über den unerschrockenen Rattenkiller bis hin zum Hofhund, der bewacht und im Notfall auch angreift. Wir können uns also mit 350 unterschiedlichen Eigenschaften beschäftigen, um den passenden Hund für uns zu finden.

 

Die Frage, die sich mir hier allerdings immer wieder stellt, ist: „Sind diese Rassen eigentlich noch zeitgemäß“?

 

Ich bin zu einer Zeit aufgewachsen, in der Telefone noch eine Schnur hatten und Fernseher mit Farbe ein absolutes Highlight waren. Niemand streamte sich eben mal einen Film runter, und Kommunikation fand nicht mit virtuellen Freunden statt. Jaaa, denkt sich jetzt der ein oder andere - nicht schon wieder einer, der mit „früher war alles besser“ kommt.

Darum geht es mir gar nicht. Viele der oben genannten Hunderassen waren damals perfekt auf uns und unser Leben, unsere Bedürfnisse zugeschnitten. Aber heute?

 

Wir benötigen nur noch selten eine Herdenschutzhund. Wofür auch - wir haben ja gar keine Herde. Ein Hund mit kurzen Beinen, der täglich in den vierten Stock hochgetragen wird, damit er keine Rückenprobleme bekommt? Jagdlich ambitionierte Hunde, denen in monatelanger Arbeit in Hundeschulen versucht wird, ihren jagdlichen Trieb umzulenken? Sie holen dann 40x am Tag halbherzig ihren Futterbeutel. Großartig!

 

Was für Anforderungen haben wir denn heute an unseren Hund?

Unsere Hunde sollen und müssen unglaublich vielseitig sein: Sie sollen oft den Partner ersetzen und der beste Freund des Kindes sein - teilweise hier und da sogar Geschwisterersatz. Sie sollen sich problemlos unserem Alltag anpassen. Wie aber sieht dieser Alltag denn heute aus? Im Singlehaushalt muss der Hund nach einer kurzen Morgenrunde entweder mit ins Büro oder in eine Hundetagesstätte (Huta). Im Alltag einer Familie fast ähnlich, wobei hier der Vormittag i.d.R. allein zu Hause verbracht wird. Am Nachmittag und an den Wochenenden soll er uns ebenfalls begleiten, beim Joggen im Wald, beim Besuch ins Restaurant oder im Hotel im Urlaub, viel Zeit im Auto verbringen und zu Hause mit uns vor oder auf dem Sofa liegen, kuscheln und entspannen.

 

Dies aber sind Eigenschaften, die früher nicht gefragt waren und deshalb in den Hunden aus früheren Jahren geballt nicht vorzufinden sind. Wir haben also einen enormen Bedarf an Hunden, die sich in unserer Welt einfinden und wohlfühlen können. Unsere Welt ist für viele Hunde einfach nicht zu verstehen, doch wir leben eben hier und jetzt mit ihnen. Wir brauchen heute nun einmal keinen Herdenschutzhund mehr, aber einen partnertauglichen Bürohund!

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