Ist ein Husky eigentlich ein Kinderhund?

18.01.2018

 

 

'Jetzt wird hier wieder eine Hunderasse an den Pranger gestellt' ... wird sich der ein oder andere sicher denken. Aber mitnichten - Huskys sind tolle athletische Hunde, sie sind menschenfreundlich und meistens frei von Aggressionen, unerschrockene Jäger, und sie sind sehr eigenständig.

Menschenfreundlich heißt aber noch lange nicht familientauglich.

Steht die Entscheidung an, einen Hund in die Familie zu holen, wird i.d.R. erstmal viel gelesen und im Bekanntenkreis wird sich erkundigt. Ist die Wahl dann eingeengt, nimmt man sich ein Rassebuch zur Hand. Sind ein, zwei oder drei Kinder Mitglied der Familie, steht die Frage „kindgerecht – familientauglich“ meist an erster Stelle. Diese Rassebücher sind fast ausschließlich von Kennern, sprich Züchtern dieser Rasse geschrieben und wer hält seine Rasse als Züchter schon für ungeeignet im Punkt „Familientauglichkeit“? Deshalb finden wir in Rassebüchern häufig auch eine Beschreibung wie "... er liebt Kinder oder er ist der perfekte Familienhund".

Anfang des letzten Jahres erhielt ich den Anruf einer Mutter, die ihren neujährigen Sohn mit seinem jungen Hund bei mir für einen Kurs anmelden wollte. Auf die Frage, welche Rasse sie denn hätten, bekam ich die Antwort es sei eine junge Husky-Hündin. Auf meine vorsichtige Andeutung, dies sei eine ganz schöne Herausforderung für einen Neujährigen, erwiderte die Anruferin, dies wäre ihr bewusst, da der Hund von ihrem Vater aus eigener Zucht aus Skandinavien käme.

Die erste Probestunde war wie nicht anders zu erwarten, eine echte Herausforderung für Hund, Kind und mich 😉. Piitu, die junge Husky Hündin, war ein absoluter Wildfang. Von der Leine gelassen sprang sie über die anderen Hunde hinweg, und an der Leine jagte sie jedem Kinder-Hunde-Gespann wild entgegen.  Am Ende der ersten Stunde folgte dann ein längeres Gespräch mit Mutter und Kimi, ihrem Sohn, mit dem Ergebnis, alle wollten weitermachen.

Die nächsten Wochen und Monate arbeiteten sich alle Stück für Stück ein wenig weiter voran. Während andere Kinder mit ihren Hunden schon viele Übungen und Aufgaben meisterten, arbeiteten Piitu und Kimi an ihrer Kommunikation und Piitus Ungestümtheit. Ich kenne nur sehr wenige Jungen seines Alters, die in den letzten Jahren so standhaft dabei blieben, wenn die Erfolge so klein waren. Einige seiner Freunde hatten bereits den Hundekurs wieder verlassen, obwohl ihre Erfolge weitaus größer waren. Den meisten Kids war es viel wichtiger, schneller ans Ziel zu gelangen. Kimi blieb mit seiner Piitu eisern dabei und die Erfolge wurden sichtbar - aber mit einem immens großen Aufwand.

Wäre Piitu zu einer Familie gekommen, die nicht so viel Arbeit und Mühe investiert hätte, wäre das Zusammenleben von Hund und Familie eine dauerhafte Belastung für alle Seiten geworden. Kimis Großvater ließ mich über seine Tochter und seinen Enkel wissen, dass er auch niemals einen seiner Hunde in eine Familie ohne Erfahrung gegeben hätte, denn Huskys sind keine Familien- und Haushunde (Züchter Levi Huskypark).  Hier werden jetzt sicherlich wieder Menschen aufschreien und dies als völlig überzogen dargestellt bezeichnen, aber ein guter Züchter ist ehrlich mit den Eigenarten seiner Rasse und steht dazu. Ich erlebe in meiner Kinderhundeschule immer wieder ungleiche Kinder-Hunde-Gespanne und völlig überraschte Eltern, die sich sicher waren einen „guten Familienhund“ angeschafft zu haben.

 

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